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BUCH:
MAUSI die Katz'
300_a_elfriede-x_MAUSI die KATZ - Elfriede Prenninger - März 2005 - Katzenbuch (23 Seiten)_1a.pdf
Diese Geschichte habe ich für meine vier wunderbaren Enkelkinder
SIMON
EMILY
MICHAEL
JONAS
geschrieben.
Elfriede Prenninger März 2005
Mausi, eine hübsche dreifärbige Katze lebte bei Familie Müller, die sich liebevoll um sie kümmerte und in der es ihr an nichts fehlte.
Ihr Fell war wunderbar weich und schneeweiß mit großen und kleinen braunen und schwarzen Flecken.
Auf ihrem Nasenspitzchen hatte sie einen vorwitzigen schwarzen Punkt.
Sie wurde gut gepflegt, bekam nur das allerbeste Katzenfutter, wurde regelmäßig von der freundlichen Tierärztin,
- die der Katze aber ganz und gar unsympathisch war, - untersucht und geimpft.
Alle in der Familie liebten sie und verwöhnten sie viel zu sehr.
Sie wurde gestreichelt, getätschelt, liebkost und jeder der drei Familienmitglieder spielte mit ihr, wann immer sie Zeit dazu hatten.
Alles in allem sollte man meinen, sie wäre die glücklichste Katze der Welt gewesen.
Aber da war etwas, das sie immer und immer wieder ärgerte:
Sie durfte nicht wie andere Katzen frei herumlaufen. Sie musste im Haus bleiben —
und das, obwohl ein Garten zu diesem Haus gehörte und angrenzend viele interessante Gärten waren, von denen sie nachts träumte.
Wie herrlich musste es sein das ganze Gelände zu erkunden und Bekanntschaften zu schließen
mit all den anderen Katern und Katzen, die sie nur durch das Fenster begrüßen durfte.
Die fingen Mäuse, tobten durch die Gärten, rauften miteinander und pfauchten sich an, um zu zeigen, wer der Stärkere war.
Ihr hatte man ein Netz vor das Fenster gespannt und wenn das Wetter schön war, legte man ihr eine Katzenleine an, an der sie in den Garten gehen durfte.
Sie hoffte dann immer inbrünstig, es möge nur ja nicht der große rote Kater von nebenan durch die Wiese marschieren,
die ja eigentlich ihr gehörte und die sie mit all ihrer Kraft verteidigen würde, hinge sie nicht an dieser blöden Leine.
Wie peinlich, wenn er sie hier an der Schnur festgebunden sehen könnte.
Er würde sich wahrscheinlich kugelig lachen und hätte sicher nichts Eiligeres zu tun, als loszurennen
und so rasch wie möglich allen Katzen nah und fern zu berichten, welch eine lächerliche Katze er in dem Garten, der zu dem grauen Haus gehörte, gesehen habe.
Es war einfach entwürdigend, was ihr sonst so liebes Frauchen mit ihr machte.
„Ach weißt du, Schätzchen, so bist du sicher! Wenn du auf die Straße läufst, ist es viel zu gefährlich für dich.
Du könntest von einem der vielen Autos überfahren werden.
Oder jemand nimmt dich einfach mit.
Nein, nein, glaube mir, so ist es das Beste für dich," versuchte Frau Müller ihr jedes Mal einzureden. Paperlapapp, so was Blödes, dachte sich Mausi.
Wenn ich doch nur sprechen könnte, ich würde der guten Frau schon sagen, was für eine Katze wie mich das Beste ist.
Es muss doch möglich sein, die Freiheit genießen zu können und trotzdem vorne und hinten verwöhnt zu werden.
Schon oft hatte sie versucht, bei der offenen Wohnungstür zu entwischen.
Aber es war bisher einfach nicht möglich.
Die passten alle viel zu sehr auf, dass die große Haustür, die in den Garten führte verschlossen blieb.
Ihre Fluchtversuche endeten jedes Mal im Stiegenhaus.
So vergingen einige Jahre und Mausi hatte sich beinahe schon an ihr Wohnungs — und Katzenleinendasein gewöhnt.
Nur mehr ganz selten verspürte sie die Lust auf Abenteuer.
Speziell im Winter, wenn draußen der eisige Wind blies und Schnee auf den Bäumen und der Wiese
lag, war sie heilfroh, im warmen Zimmer sitzen zu können und sie beneidete keine der anderen Katzen, die sich ihre Pfoten abfrieren mussten.
Wenn allerdings der Frühling ins Land zog, und die Vögel schon früh am Morgen zu zwitschern begannen,
wenn alle Katzen auf die Jagd gingen und hinter Büschen und Bäumen auf der Lauer lagen, dann wurde auch Mausi ganz kribbelig.
Sie raste von einem Fenster zum anderen um nur ja nichts von all dem zu verpassen, was sich im Garten abspielte.
Wenn dann auch noch die laue Frühlingsluft durch die gekippten Fenster strömte
und man nachts das laute Miauen der Kater ringsherum hören konnte, da wollte das Kätzchen nur noch Eines:
Hinaus in die Freiheit !
Eines Tages lag „Mausi — Katz' wie Frauchen sie oft nannte, lang ausgestreckt auf dem warmen Fensterblech des weit geöffneten Fensters
und ließ sich die Sonne auf das Fell scheinen.
Plötzlich hörte sie unter sich im Garten ein „Miau".
Mausi sprang sofort auf und pfauchte die graugestreifte Katze böse an, die sich ganz frech auf die Bank unterhalb des Küchenfensters;
bei dem Mausi gerne ihr Mittagsschläfchen hielt, gesetzt hatte und zu ihr hinaufschaute.
„Verschwinde sofort aus meinem Garten!
Du hast hier nichts zu suchen.
Der Garten gehört ganz alleine MIR, MIR, MIR! Pfchrrrrrrr!" Pfauchte Mausi.
„Ach du" lachte die graue, sehr dünne Katze, du bist doch nie hier heraußen.
Immer nur am Fenster oder angebunden an eine lange Schnur auf der Wiese.
" Da wurde Mausi ganz verlegen und fragte:" Wieso weißt du das?" „Das wissen hier doch alle Katzen.
Wir haben uns schon oft gewundert, warum du dir das gefallen lässt." „Was geht euch das an?
Kümmert euch gefälligst um euren eigenen Kram.
Mir geht es hier ausgezeichnet.
Man verwöhnt mich nach Strich und Faden.
Man liest mir praktisch jeden Wunsch von den Augen ab und ich bekomme nur das allerbeste Futter von meinem Frauchen."
„Wirklich?"
fragte die grau Getigerte und wurde plötzlich sehr traurig.
„Das würde ich mir auch wünschen" sagte sie leise „aber mich will keiner haben.
Überall wo ich hinkomme, verjagt man mich.
Man hat sogar schon mit fauligen Äpfeln nach mir geworfen und einmal nahm ein Bub einen Stein und warf ihn nach mir.
Er hat mich nur knapp verfehlt.
Beinahe hätte mich der Stein am Kopf getroffen.
Und zum Essen habe ich auch schon lange nichts mehr gehabt.
Vorgestern habe ich eine winzigkleine Maus erwischt, aber heute knurrt mein Magen schon wieder ordentlich.
Kannst du es hören?"
Beide waren ganz leise, um den knurrenden Magen der hungrigen Katze hören zu können.
„Oh" sagte Mausi, „das tut mir leid, ich wusste ja nicht, dass du kein Zuhause hast.
Aber ich weiß, wie man sich fühlt, wenn einem niemand lieb hat.
Bevor ich hierher kam, erging es mir genau wie dir.
Und nur weil mein Frauchen es gut mit mir meint, und Angst um mich hat, muss ich diese Katzenleine tragen, wenn ich hinaus gehe.
Aber glaube mir, so gerne ich hier bin, so beneide ich dich doch um deine Freiheit.
Du kannst laufen, wohin du nur willst."
Sie bekam ganz große runde Augen als sie daran dachte, wie es wohl wäre,
wenn man wieder mit anderen Katzen balgen könnte oder Vögel erschrecken, dass sie flatternd auffliegen.
Auf einer großen Wiese vor einem Mauseloch lauern, bis ein graues Mäuschen heraus kommt,
dem man nachjagen kann um es letztendlich genüsslich zu verspeisen.
„Ach" sagte Mausi, „wie gerne würde ich mit dir tauschen."
„Meinst du das ernst oder sagst du das nur so?" fragte das dünne graue Kätzchen.
„Nein" sagte Mausi, „mir ist es ganz ernst."
„Nun" sagte die fremde Katze, „und wie sollte das gehen?"
„Ganz einfach, du springst hier herauf, das müsstest du doch schaffen, oder?
Und ich springe hinunter und laufe schnell davon."
„Ja schon" sagte die getigerte Katze „aber was wird deine Familie dazu sagen wenn du plötzlich verschwindest?
Du hast doch selbst gesagt, dass sie dich alle sehr lieb haben."
„Ja" antwortete Mausi „und ich fühle mich auch nicht sehr gut, wenn ich daran denke, dass sie meinetwegen traurig sind.
Aber wenn du an meiner Stelle dableibst, so haben sie ja dich und sie werden mich schnell vergessen.
Sie werden dich genau so verwöhnen, wie sie mich immer verwöhnt haben.
Und du wirst nie mehr hungern müssen, das verspreche ich dir."
„Na gut" sagte die Graue, deren Magen bei dem Gedanken an eine gut gefüllte Futterschüssel erneut zu knurren begann,
„wenn du es dir gut überlegt hast, so tauschen wir einfach."
Mit einem Satz war sie oben bei Mausi.
Ohne weiter darüber nachzudenken, ob es falsch oder richtig war, was sie tat, sprang diese vom Fenster hinunter auf die Bank und weiter in den Garten.
Voller Vorfreude auf all die wunderbaren Abenteuer, die sie sich erhoffte, schlüpfte sie unter dem Zaun durch in den Nachbargarten
und immer weiter von einem Garten in den nächsten. Ihr Herz klopfte vor Aufregung und als sie nach längerer Zeit Halt machte um etwas zu verschnaufen, merkte sie, dass sie vor Nervosität regelrecht zitterte.
Ach, welch herrliche Dinge würden hier draußen auf sie warten.
Sie spielte mit allem, was sie finden konnte.
Einmal war es ein Blatt, das der Wind am Boden hin und her blies, ein anders Mal waren es Gräser, die im Wind schaukelten.
Dann flog ein Schmetterling so dicht an Mausi's Nase vorbei, dass sie beinahe erschrak.
Sie lief ihm nach und versuchte ihn zu fangen.
Aber er flog höher als Mausi springen konnte und entkam so ihren flinken Pfoten.
Glücklich blieb sie im Gras liegen und genoss ihre wieder gewonnene Freiheit.
Am Abend verspürte sie das erste Mal Hunger und es wurde ihr erst jetzt so richtig bewusst, dass sie alleine war.
Nirgends stand ein gefülltes Schüsselchen mit köstlichem Futter und frisches Wasser bereit.
Nun hieß es sich selber zu verpflegen. Das war aber leichter gesagt, als getan, wenn man es schon so lange nicht mehr probiert hat.
Sie streifte umher und suchte überall nach etwas Essbarem.
Aber es war nicht so einfach, wie sie bald feststellen musste. So begann sie nach einer Maus Ausschau zu halten.
Aber offensichtlich hatten sich heute alle Mäuse besonders gut versteckt.
Keine einzige ließ sich blicken. Mausi musste sich an diesem Abend mit einigen Insekten, die sie im Vorbeifliegen erwischte, begnügen.
Sie suchte ein Plätzchen, wo sie sich von ihrem anstrengenden Tag erholen konnte.
Zum ersten Mal seit sie von zu Hause weg war, dachte sie an die grau gestreifte Katze.
Die würde jetzt vor ihrer Futterschüssel sitzen und sich den Bauch voll schlagen.
Anschließend kuschelt sie sich wahrscheinlich in den gemütlichen Sessel, der eigentlich Frauchen gehört, den sie mir aber immer geliehen hat, wenn ich das wollte, dachte Mausi.
Aber noch bevor sie ihren Entschluss von zu Hause wegzugehen wirklich bereuen konnte, schlief sie vor Müdigkeit ein.
Mausi's Familie war tatsächlich sehr traurig, dass ihr geliebtes Kätzchen weg war.
Sie konnten sich nicht erklären, wohin Mausi verschwunden war und warum plötzlich eine andere Katze mitten im Zimmer saß.
Natürlich gaben sie ihr zu fressen und zu trinken, denn sie war furchtbar mager und tat allen leid.
Aber trotzdem hörte Frau Müller nicht auf, nach Mausi zu suchen. Immer wieder ging sie in den Garten hinaus und rief nach ihr.
Aber alles Rufen nützte nichts - Mäuschen kam nicht wieder.
Nach einigen Tagen musste die Familie einsehen, dass alles Rufen umsonst war. Mausi blieb verschwunden.
Tigerchen, wie Familie Müller die neue Katze nannte, genoss all die Streicheleinheiten und Liebkosungen,
die man ihr zuteil werden ließ aber sie spürte auch, dass sie alle ihr Mausi-Kätzchen sehr vermissten.
Mäuschen wusste nicht, wie viele Tage sie bereits von zu Hause weg war, aber sie wusste, dass es ihr nicht besonders gut ging.
Nachts, wenn sie früher nicht schlafen konnte, sehnte sie sich immer danach, mit allen anderen Katzen durch die Gegend streifen zu können
und stellte es sich sehr lustig vor, im Mondschein mit all den anderen ihre Katzenlieder zu singen.
Es war aber so, dass keine der anderen Katzen mit ihr spielen wollte, sondern sie waren oft sehr böse zu ihr.
„Verschwinde, du gehörst nicht zu uns" sagten sie.
Manchmal wurde auch ein Kater wirklich wild und Mausi konnte von Glück sagen, wenn sie bei dem Gerangel um seine Revieransprüche nicht ernsthaft verletzt wurde.
Oft hatte sie Angst und lief weit weg, um sich vor den Angriffen der anderen zu verstecken.
Auch die Menschen waren nicht so lieb, wie sie das die letzten Jahre von zu Hause gewöhnt war.
Immer wieder wurde sie aus Gärten oder von Haustüren verjagt, wenn sie doch einfach nur aus Hunger
oder Angst ein schützendes Plätzchen suchen wollte oder hoffte, dass jemand ihr Futter geben würde.
Hin und wieder traf sie Kinder, die mit ihr spielten und die sich gefreut hätten, wenn sie bei ihnen hätte bleiben dürfen.
Aber die Eltern erlaubten es nicht.
Entweder es war bereits eine Katze in der Familie oder sie wollten ganz einfach keine und Mausi wurde wieder weg geschickt.
Einmal hatte sie ein schreckliches Erlebnis.
Sie lief durch einen riesigen Garten und merkte erst viel zu spät, dass hier ein großer Hund wohnte, der offensichtlich alle Katzen hasste.
Er jagte sie wie wild durch den Garten, schnappte ständig nach ihr und bellte ganz laut.
Wenn Mausi nicht in letzter Sekunde einen rettenden hohen Baum gefunden hätte, auf den sie flüchten konnte, wer weiß, was dann passiert wäre.
Zitternd und keuchend saß sie lange Zeit ganz hoch oben in den Ästen und getraute sich nicht hinunter.
Der Hund sprang immer wieder bellend am Stamm hoch und wartete, bis die Katze hinunter springen würde.
Aber er musste einsehen, dass Katzen nun einmal mehr Geduld und Ausdauer haben als Hunde
und so wurde es ihm dann doch - Gott sei Dank — irgendwann zu blöd und er schlich davon.
Mäuschen konnte es kaum glauben aber es gab sogar Menschen, die ihre Hunde auf Katzen hetzten.
Das sonst so sanfte Kätzchen lernte rasch, seine Krallen sehr wirkungsvoll einzusetzen.
Auch die vielen Autos wurden der kleinen Katze immer wieder gefährlich.
Oftmals überquerte sie breite Straßen und entkam nur knapp den großen Rädern der schnellen Fahrzeuge.
Ihr kleines Herz pochte dann ganz laut und sie dachte in solchen Momenten immer daran,
dass Frauchen sie durch die Katzenleine genau vor diesen Gefahren schützen wollte.
Überhaupt dachte das Kätzchen immer öfter und immer sehnsüchtiger zurück an die wunderschöne Zeit, die es bei seinen Menschen hatte.
Im Schlaf träumte es davon, dass eine liebevolle Hand sein Fell streichelte.
Dass Frauchen das Fell mit der Bürste, die Mausi eigentlich nie leiden mochte, pflegte -
und auch das würde sich Mausi jetzt oft wünschen, denn durch das Herumlaufen bei jedem Wetter und das Liegen im Staub war ihr Fell, das früher so weich und schneeweiß war, ganz grau und hart geworden.
Ach, dachte sie, wie beneide ich die grau getigerte Katze, die jetzt wahrscheinlich satt und zufrieden auf Frauchen's Schoß liegen darf und von ihr zärtlich gekrault wird.
Oder jemand spielt gerade mit ihr und die Katze darf in der warmen Wohnung den kleinen Ball fangen, den jemand durch das Zimmer rollt.
Und plötzlich wünschte sich Mausilein nichts sehnlicher, als wieder bei Frau Müller in dem gemütlichen grauen Haus mit dem kleinen Garten sein zu dürfen.
Aber sie war so weit weggelaufen, dass sie nicht mehr wusste, in welche Richtung sie gehen müsste, um wieder nach Hause zu kommen.
Als sie eines Abends - hungrig, weil sie wieder einmal nichts Essbares finden konnte, nass und durchfroren,
weil das Wetter wieder kalt geworden war und sogar noch einmal Schnee fiel -zusammengekauert auf einem Holzstoß unter einem
Dachvorsprung saß, fasste sie einen Beschluss.
Gleich am nächsten Tag wollte sie sich auf den Weg machen, um ihre Familie wieder zu suchen.
Egal wie lange das auch dauern würde.
Mit diesem Vorsatz schlief die kleine Katze an diesem Abend zufrieden ein.
Auch Tigerchen dachte immer wieder an die schöne dreifarbige Katze.
Ob sie wohl glücklich war in ihrem neuen Leben?
Sie selbst hätte wirklich allen Grund gehabt, überglücklich zu sein.
Jeder war lieb zu ihr, niemand tat ihr etwas zuleide, ihr ehemals struppiges grauschwarzes Fell glänzte seidig und ihr Bäuchlein war rund und wohlgenährt wie nie zuvor.
Sie genoss diese wunderbare Pflege und trotzdem gab es da Dinge, an die sie sich einfach nicht gewöhnen mochte.
Da waren die ständig verschlossenen Fenster, die zugesperrte Haustür und natürlich diese vermaledeite Katzenleine.
Nie und nimmer würde sie sich auslachen lassen von all den Nachbarkatzen.
Lieber blieb sie im Haus, als dass sie sich dieses lächerliche Ding anziehen ließe.
Sie wehrte sich standhaft, wenn jemand versuchte, ihr die Leine anzulegen.
Da kam es dann schon auch vor, dass sie zubiss und kratzte.
Dann musste sie sich natürlich sagen lassen, wie brav doch Mausi war, die sich alles so geduldig gefallen ließ.
Als sie wieder einmal auf der Fensterbank in der Sonne lag, kam ihr die Idee, bei nächster Gelegenheit abzuhauen und diese wunderbrave Mausikatze zu suchen.
Vielleicht konnte sie sie ja überreden, doch wieder nach Hause zu ihren Menschen zu gehen,
die sie wirklich über alles lieben mussten, sonst würden sie nicht immer wieder von ihr sprechen.
Sie passte höllisch auf, wenn jemand zur Tür hereinkam oder hinausging
und eines Tages gelang es ihr tatsächlich, zwischen den Beinen des Herrchens durchzuschlüpfen.
dass Herrchen vergessen hatte, die Haustür, die in den Garten hinausführt zu schließen.
Ein großer Satz und weg war Tigerchen.
Sie lief und lief, als wäre der große Hund hinter ihr her, der sie früher oft gejagt hatte
und dem sie sicher auch jetzt wieder begegnen würde, wo sie die Freiheit wieder hatte.
Die armen Menschen, dachte sie, die jetzt keine Mausi und auch kein Tigerchen mehr hatten.
Sie taten ihr wirklich leid, weil sie doch so lieb zu ihr waren.
Aber sie konnte hin und her überlegen, sie wusste, dass das kein Leben für sie war.
Dazu war sie zu lange Zeit eine frei lebende Katze gewesen, als dass sie sich jetzt einsperren ließe.
Das war bei Mausi wohl anders gewesen, denn diese war noch sehr jung, als sie damals von der Familie Müller aufgenommen wurde.
Da Tigerchen Mausi's Geruch ja nur allzu gut kannte, wo doch jeder Zentimeter in dieser Wohnung nach ihr roch, begann sie sofort damit, deren Spur zu suchen.
Das war freilich eine äußerst schwierige Angelegenheit, da es überall nach den Düften unzähliger anderer Katzen roch.
Aber tatsächlich fand sie nach längerer Suche den vertrauten Geruch der gefleckten Katze und sofort folgte sie dieser Spur.
Sie passte höllisch auf, dass sie sie ja nicht wieder verlor.
Mausi, die bereits ein Stück des Weges, an den sie sich noch gut erinnern konnte, da sie hier erst vor kurzer Zeit gelaufen war, zurückgelegt hatte, entdeckte zu ihrer großen Freude ihre eigene Duftspur wieder.
Und das, obwohl es inzwischen oft geregnet hatte.
Es ging eben nichts über die exzellente Nase einer Katze!
Sie war nun ganz sicher, dass sie den Weg zurück nach Hause finden würde.
Dieser Gedanke machte sie sehr froh und glücklich.
Natürlich war ihr klar, dass sie nun die lange, gefährliche Strecke, die sie gekommen war, wieder zurückgehen musste.
Die stark befahrene Straße, die es erneut zu überqueren galt, Hunde, denen sie wieder begegnen würde und die sie vielleicht sehr unfreundlich empfangen würden.
Ganz besondere Angst hatte sie vor dem großen bösen Hund, dem sie auf ihrer Wanderung nur knapp entkommen war.
Aber all diese Gedanken, die sie natürlich sehr ängstigten, konnten sie nicht davon abhalten, ihren Rückweg fortzusetzen.
Schließlich wusste sie ja jetzt, dass auf dem riesigen Grundstück, auf dem der Hund wohnte, ein mächtiger Apfelbaum stand, den sie versuchen musste, so rasch wie möglich zu erreichen.
Aber da war noch ein weiterer trauriger Gedanke, der sie immer wieder befiel:
Was, wenn Familie Müller sie gar nicht mehr haben wollte?
Wenn sie die neue Katze jetzt viel lieber hatten?
Egal.
Sie musste es versuchen, denn sie wusste jetzt, dass sie mittlerweile eine überzeugte Wohnungskatze war, die den Gefahren
und der Ungemütlichkeit dieser großen weiten Welt nicht mehr gewachsen war.
Und so suchte Mausi unverdrossen weiter und wusste ganz genau, dass sie es schaffen würde, heil und gesund nach Hause zu kommen.
Denn, wenn man sich etwas nur fest genug vornimmt, dachte sie, so kann man alles erreichen!
So lief sie Tag für Tag zurück in Richtung Heimat.
Einige Male verlor sich ihre Duftspur und sie rannte im Kreis.
Nach einiger Zeit fand sie die Spur aber immer wieder und so stand sie eines Tages tatsächlich vor dem großen Garten, in dem der riesige Schäferhund Wache hielt.
Vorsichtig spähte sie in alle Richtungen, ob der Hund womöglich bereits auf der Lauer lag.
Aber er war nirgends zu sehen.
Also rannte sie los, so schnell sie nur konnte, direkt auf den Apfelbaum zu, der ihr schon einmal das Leben gerettet hatte.
Sie erreichte ihn tatsächlich, ohne dem Hund zu begegnen.
Ruck zuck war sie oben im Geäst, wo sie erst einmal verschnaufen musste.
Als sie sich etwas erholt hatte von dieser Hetzjagd, schaute sie sich um und traute ihren Augen nicht.
Einige Äste über ihr saß doch tatsächlich die grau — schwarz gestreifte Tigerkatze, der sie letztendlich all diese Aufregungen verdankte.
„Du meine Güte" sagte Mausi, „bist du es wirklich, oder täusche ich mich?"
„Nein" sagte Tigerchen, „du täuschst dich nicht" Mausi war platt.
„Ja was machst du denn hier?
Ich dachte, du wärest bei meiner Familie, wo du vor nichts Angst zu haben brauchst und vor keinem Hund auf einen Baum flüchten musst."
„Ja weißt du" sagte die Graue,
„da war ich ja auch bis vor kurzem, aber dann wurde es mir dort doch zu eng und ich bin losgezogen um dich zu suchen.
Ich möchte dich bitten, du mögest doch wieder nach Hause gehen.
Du fehlst ihnen nämlich sehr!
Und weißt du, ich bin jetzt draufgekommen, dass ich die Freiheit brauche, auch wenn damit oftmals Gefahren verbunden sind.
Es macht mir auch nichts aus, wenn ich mit anderen Katzen raufen muss, um mich zu behaupten. Mausi musste lachen.
Ja was glaubst du denn, warum ich hier bin?
Natürlich um zu meinen Menschen zurückzulaufen und sie zu bitten, sie mögen mich doch wieder bei sich aufnehmen.
Ich sage dir, mir fehlt ihre Fürsorge und ihre Liebe so sehr, dass ich fast krank geworden bin.
Und dann all die Gefahren, die überall auf so kleine Katzen lauern!
Nein, ich habe genug von diesen Abenteuern. In meinem Alter sollte man froh und dankbar sein, ein gemütliches und sicheres Heim zu haben.
Ich war ein Narr, all die lieben Menschen, die so gut für mich gesorgt haben, zu verlassen.
Sei gescheit und komm auch mit mir zurück. Ich bin sicher, sie freuen sich auch über zwei Katzen."
„Ich will gerne mitkommen" antwortete Tigerchen „aber nur, um dich zu begleiten und um zu sehen, wie sehr sich alle darüber freuen, dich wiederzuhaben.
Aber bleiben tu ich bestimmt nicht."
Nachdem sie sich vergewissert hatten, dass der Schäferhund heute offensichtlich nicht zu Hause war, sprangen sie vom Baum und verließen so rasch wie möglich das große Grundstück.
So legten sie den Rest des Weges gemeinsam zurück und jede erzählte der anderen von ihren Erlebnissen.
Nach einiger Zeit kamen sie bei dem vertrauten Haus an und es trennte sie nur mehr ein kleines Stück von der großen grünen Haustür.
„Nun" sagte Tigerchen, „jetzt lasse ich dich alleine.
Aber ich verspreche dir, ich komme dich oft besuchen.
Ich erzähle dir dann alle Neuigkeiten, die sich ringsherum so zutragen.
Vielleicht hast du ja hin und wieder ein wenig Futter für mich übrig, wenn der Hunger womöglich wieder einmal gar zu groß ist."
„Ich freue mich schon jetzt darauf, wenn du zu uns kommst" rief Mausi.
„Du bist immer herzlich willkommen und Futter kannst du von mir haben, so viel du willst!"
Mit einem lauten, langgezogenen „ Miauauauuu!" verabschiedeten sie sich voneinander.
Auch Frau Müller hörte dieses laute Miauen und lief in den Garten.
Ihre Freude war unbeschreiblich, als sie Mausi vor der Tür sitzen sah.
Als wollte diese sich bei ihrem geliebten Menschen für ihr Davonlaufen entschuldigen, sprang sie an Frauchen hoch und begann laut zu schnurren.
Sie leckte Frauchens Gesicht und Hände und schmiegte ihr Köpfchen an deren Wange.
„Ach du süße Mausi — Katz" sagte die nette Frau. „Wie konntest du nur einfach abhauen?
Wenn du wüsstest, welch große Sorgen wir uns um dich gemacht haben.
Ich habe wirklich nicht mehr damit gerechnet, dass du wieder zu uns nach Hause kommen würdest.
Jetzt komm aber erst einmal herein und lass dir eine schöne Portion von deinem Lieblingsfutter schmecken.
Anschließend werden wir uns allerdings um dein Fell kümmern müssen, denn das sieht ja schlimm aus."
Mausi war alles recht. Hauptsache, sie war wieder daheim in ihrer gewohnten Umgebung.
Nie mehr war sie sauer, wenn man ihr die Leine anzog.
Im Gegenteil - sie wartete geduldig darauf und marschierte erst dann zur Tür hinaus, wenn sie das vertraute „Klick" des kleinen Karabinerhakens hörte.
Tigerchen kam wie versprochen regelmäßig auf ein Plauderstündchen zu Mausi und erzählte ihr, was sich in der Katzenwelt so alles tat.
Gemütlich lagen sie nebeneinander auf der Terrasse und ließen sich die
Sonne auf ihre Bäuchlein scheinen.
Bevor die kleine, wiederum sehr schlank gewordene Katze ging, bekam sie von der freundlichen Frau jedes Mal ein Schüsselchen mit köstlichem Futter und frisches Wasser.
Außerdem war fast immer jemand von der Familie da, der sich die Zeit nahm, um Tigerchen zärtlich zu kraulen und ihr liebevoll über das Fell zu streichen.
Alle wussten:
Das graue Tigerkätzchen kann man nicht halten.
Es wollte herumlaufen, wie es ihm gefiel.
Frauchen rief der Kleinen zum Abschied immer nach:
"Pass auf dich auf, Tigerchen und komm bald wieder!"
Das tat das Kätzchen auch sehr gerne und als es wieder Winter wurde und die Tage und Nächte eiskalt
und nass waren, war es sehr dankbar, wenn es für ein oder zwei Tage im warmen Haus bleiben durfte.
Dann aber lief die kleine Katze wieder weg, um nach Herzenslust herumzustreunen.
So waren alle froh und glücklich, dass alles so gut ausgegangen war und die hübsche dreifarbige Katze ihre Abenteuerreise unbeschadet und gesund überstanden hatte.
Eigentlich gab es jetzt bei der Familie Müller aber doch zwei Katzen — wenn auch eine davon nur manchmal zu Besuch kam.
ENDE
Elfriede Prenninger 2005-03-30 ********************************************************I*
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